Landesinfos

Geografie

Estland erstreckt sich zwischen 57,30° und 59,40° nördlicher Breite und zwischen 21,45° und 28,15° östlicher Länge. Die größte Ost-West-Ausdehnung beträgt 350 km, die größte Nord-Süd-Ausdehnung 240 km. Die Gesamtgröße beträgt 45215 qkm. Damit ist Estland etwas größer als die Schweiz oder Dänemark.
Estland hat eine buchtenreiche Küstenlinie von 3794 km. Vor der Küste liegen zahlreiche größere und kleinere Inseln, insgesamt etwa 1500. Die größte dieser Inseln ist Saaremaa mit einer Fläche von 2671 qkm; Hiiumaa hat 989 qkm, Muhu 198 qkm, Vormsi hat eine Fläche von 92.9 qkm. Estland ist ein relativ flaches Land; die höchste Erhebung im Südosten des Landes ist der Suur Munamägi (318 m). Das Land hat insgesamt etwa 1400 Binnenseen, von denen der Peipsi järv (Peipussee), durch den auch die Grenze zu Russland verläuft, mit fast 150 km Länge der größte ist. Neben den Seen gibt es in Estland viele große und kleine, oft noch vollständig unberührte Moorgebiete. Insgesamt bedecken die Moore über ein Fünftel der Fläche Estlands.
Das flache Land wird von zahlreichen Flüssen durchzogen, von denen die meisten vom Höhenzug Pandivere aus entspringen. Viele dieser Flüsse fließen in breiten Urstromtälern. Etwas kurios mutet es an, zu wissen, dass beispielsweise durch den gleichnamigen See bei der Stadt Viljandi eine Wasserscheide verläuft. Das Wasser des Sees fließt zum einen Teil zur estnischen Westküste, zu einem anderen Teil in den Peipsi järv. Bei Narva gibt es einen zwei andere Flüsse verbindenden Fluss, der einmal in die eine, ein anderes Mal in die andere Richtung fließt.
Als Folge der Erhebung der Erdkruste hebt sich der westliche Teil Estlands um etwa 3 mm im Jahr, daher tauchen aus dem hier sehr niedrigen Meer immer wieder neue Inseln auf, und die schon bestehenden werden beständig größer. Das gleiche gilt auch für die am Finnischen Meerbusen liegende Nordküste, die wie das ganze Land deutlich die Spuren der letzten Eiszeit trägt; die Eiszeit endete vor etwa 11000 Jahren. Vor der steil abfallenden Küste, dem estnischen Glint, der eine maximale Höhe von 56 m erreicht, liegen viele größere und kleinere Findlinge. Sie wurden
aufgrund der Gletscherbewegungen von Skandinavien aus hierher bewegt.
Weiter im Landesinneren entstand eine vielgestaltige Moränenlandschaft. Eine besondere Form der Moränen sind die Drumlins; elliptische, langgestreckte Hügel, die aufgrund der Risse in der Unterseite des Gletschers parallel zur Gletscherbewegung entstanden sind. Diese Hügel findet man besonders häufig auf dem Höhenzug Pandivere und in Vooremaa; in den oft abflusslosen Senken zwischen den Drumlins haben sich Seen und Sümpfe gebildet.
Im Südwesten Estlands ist die geologische Situation etwas anders: Auf dem etwas härteren Fundament des roten Devon-Sandsteins hinterließen die Gletscher der letzten Eiszeit deutliche Spuren. Daher findet man dort zwar ebenfalls die für das Land so typischen Moränen, aber diese Landschaft ist von Flusstälern durchzogen, an deren Ränder Sandsteinaufschlüsse zu sehen sind. Die abwechslungsreichen Landschaften bieten sich mit ihren Flüssen, Schluchten, Seen und Hügeln für Spaziergänge besonders an.
Baden kann man in Estland entweder an den zahlreichen, meist nicht sehr tiefen Binnenseen oder an der Küste. Besonders schön sind die Strände der Inseln vor der Westküste und die der Nordküste des Festlands. Die Meerestiefe überschreitet an den Küsten Estlands selten 10 m, weshalb das Wasser für diesen Breitengrad ungewöhnlich warm ist. Im Sommer liegt die Temperatur im Durchschnitt zwischen 16°C und 19°C; an einigen Küsten werden manchmal Temperaturen von bis
zu 26°C gemessen. Im Winter friert das wenig salzhaltige Meer in Küstennähe meistens etwa Mitte Januar zu. In harten Wintern kann bis Mitte März die Eisschicht eine Stärke von 80 cm erreichen, so dass es möglich (und auch üblich) ist, auf manche Inseln mit dem Auto über das zugefrorene Meer zu fahren.

Klima

Die mittlere Temperatur beträgt in Estland in den Sommermonaten 13°C bis 16°C; im Winter zwischen 3°C und -6°C. In den Küstenregionen und auf den Inseln erreichen Winde an etwa 40 Tagen im Jahr Geschwindigkeiten von über 15 m/sek. Dort ist das Klima wesentlich von der Ostsee mitbestimmt. Die jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 500 mm in Küstennähe und 700 mm in den höher gelegenen Regionen. Längere Trockenperioden gibt es durch den skandinavischen Hochdruckeinfluss vor allem im Frühjahr und im Sommer. Die meisten Niederschläge fallen in den Monaten Dezember bis März. Ab Anfang Dezember gibt es in ganz Estland normalerweise eine geschlossene Schneedecke, die Mitte März eine Höhe von einem halben Meter erreichen kann. Am meisten Schnee gibt es in den südlichen Regionen. Etwa Mitte Januar vereisen die Küstengewässer. Die Schneeschmelze setzt in der Regel Ende März ein.
Das Klima Estlands entspricht etwa dem Klima in Helsinki und Stockholm. In den letzten Jahren machten sich die Auswirkungen der weltweiten Klimaerwärmung in Form milder Winter auch in Estland bemerkbar. Längerfristig gleicht sich das Klima in Estland dem in Norddeutschland an.
Beachten sollte man bei der Reiseplanung, dass die Tage im Sommer bis zu 20 Stunden lang sein können; im Hochsommer wird es nachts nicht mehr richtig dunkel. Ein besonderes Ereignis sind die im ganzen Land veranstalteten Sonnwendfeiern in der Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni. Im Winter ist es manchmal nur 6 Stunden lang hell. Da der Winter in Estland feuchtkalt und windig sein kann, empfiehlt es sich, in diesen Monaten entsprechende Kleidung mitzunehmen. Die meisten Esten, auch junge Leute, tragen in diesen Monaten Kopfbedeckungen.