Landesinfos Geschichte in Stichworten ca. 5000 - 3000 v. Chr. Finno-ugrische Stämme besiedeln - vermutlich aus dem Uralgebiet kommend - das Gebiet des heutigen Estlands 13. Jahrhundert Gewaltsame Eroberung des nördlichen Baltikums durch den Deutschen Ritterorden; zunächst erfolglose Christianisierungsversuche; Aufstände der Esten 1219 Waldemar II. von Dänemark landet samt Gefolgschaft in Rävala, einer alten Estenburg (heute Tallinn) und errichtet eine Festung 1343 In der Jüüriöö (St.-Georgsnacht) erheben sich die Esten gegen den Deutschen Orden; es gibt viele Tote und Verletzte auf beiden Seiten 14. Jahrhundert Die Hanse dehnt sich auf Est- und Livland aus 1525 Beginn der Reformation in Estland, in dessen Gefolge der Deutsche Orden zusammenbricht 1561 Machtübernahme durch Schweden. In den folgenden rund 150 Jahren schwedischer Kontrolle entwickelt sich das Land auf wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Gebiet in großem Tempo 1700 - 1710 Großer Nordischer Krieg zwischen Schweden und den verbündeten Russen, Polen und Dänen. Estland und Livland werden stark zerstört; die Pest wütet 1721 Im Nystader Frieden fallen Est- und Livland an Russland 1739 Einführung der Leibeigenschaft für Bauern. Macht- und Wohlstandsgefälle zwischen baltendeutschem Adel und estnischer Landbevölkerung wird größer 1816 Aufhebung der Leibeigenschaft für die estnischen Bauern durch progressive Kräfte innerhalb des baltendeutschen Adels ab etwa 1850 Beginn des sog. "Nationalen Erwachens" der Esten 1857 F. R. Kreutzwald veröffentlicht das Nationalepos "Kalevipoeg" (Sohn des Kalev) 1869 Erstes großes estnisches Sängerfest in Tartu 1885 Beginn der großen Russifizierungswelle. Russisch wird alleinige Amts- und Unterrichtssprache 1905/06 Überspringen der Russischen Revolution auf Estland. Aufstände und Proteste gegen die russisch-baltendeutsche Vorherrschaft 1914 - 1918 Der Erste Weltkrieg fordert auch im Baltikum seinen Tribut 24.02.1918 Die Esten nutzen das entstandene Machtvakuum aus und rufen die Republik Estland aus 1918 - 1919 Kampf gegen bolschewistische Truppen zur Erhaltung der Unabhängigkeit, auch mit Unterstützung skandinavischer Freiwilligenverbände 02.02.1919 Im Frieden von Tartu verzichtet Sowjetrussland "auf alle Zeiten" auf Gebietsansprüche an Estland 1921 Estland tritt dem Völkerbund bei 23.08.1939 Im Geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt werden die Interessensphären Russlands und Deutschlands fixiert. Wie Lettland, Finnland, Bessarabien sowie Litauen und Polen wird auch Estland zum Spielball der Machtinteressen der Diktatoren Herbst 1939 Dem "Heim-ins-Reich" - Ruf folgen die meisten Baltendeutschen, indem sie Estland verlassen Juni 1940 Gewaltsame Besetzung Estlands durch sowjetische Truppen. Erzwungener Anschluss Estlands an die UdSSR. Erste Massendeportationen tausender Esten nach Sibirien Sommer 1941 - Herbst 1944 Besetzung Estlands durch die Deutsche Wehrmacht. Einsetzung einer Marionettenregierung Ende 1944 Re-Okkupation durch sowjetische Truppen 1949 Zweite Deportationswelle. Zwangskollektivierung der Landwirtschaft 1956 Entstalinisierung unter Chruschtschow 1964 - 1985 Stagnationsperiode 1985 - 1991 Glasnost und Perestroika 1988 Gründung der estnischen Volksfront. Sängerfest in Tallinn mit 300.000 Teilnehmern 23.08.1989 Die Baltische Kette zum 50. Jahrestag des Molotow-Ribbentrop-Paktes (Geheimes Zusatzprotokoll) verbindet mehr als 1 Million Menschen zwischen Tallinn in Estland über Riga in Lettland bis nach Vilnius in Litauen 18.03.1990 Absolute Mehrheit der Volksfront bei den Wahlen zum Obersten Sowjet Estlands 09.03.1991 In einem Referendum spricht sich eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Estlands für eine Unabhängigkeit von der UdSSR aus 20.08.1991 Unabhängigkeitserklärung Estlands während des Moskauer Putsches August/September 1991 Die wiedererlangte Eigenstaatlichkeit Estlands wird von den meisten Staaten innerhalb kurzer Zeit anerkannt (darunter auch von der Sowjetunion). Beitritt Estlands zur UNO 1998 Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit Estland 2004 Beitritt Estlands zu EU und NATO 2011 Einführung des EURO in Estland Zum politischen System Staatsform: parlamentarische Demokratie Staatsoberhaupt: Staatspräsident, der vom Parlament oder anderen Oberstes gesetzgebendes Staatsorgan: Einkammer-Parlament Riigikogu (Staatsversammlung) mit 101 Abgeordneten. Die Legislaturperiode dauert 4 Jahre. Regierungschef: Ministerpräsident, gegenwärtig: Andrus Ansip (Reformpartei). Oberstes Gerichtsorgan: Oberstes Staatsgericht Verwaltung: Administrativ ist Estland in 15 Landkreise, 205 Gemeinden und 42 Städte eingeteilt. Wahlen: Verhältniswahlsystem. Alle estnischen Staatsbürger ab dem vollendeten 18. Lebensjahr haben das Recht, an den Nationalwahlen teilzunehmen; alle ständigen Einwohner Estlands im Alter über 18 Jahre dürfen ihre Stimme bei den Lokalwahlen (Legislaturperiode 3 Jahre, letzter Wahltermin: Oktober 2008) abgeben. Die derzeit im Parlament vertretenen Parteien: Eesti Keskerakond (Estnische Zentrumspartei); Reformierakond (Reformpartei); Isamaa ja Res Publica (Vaterlandsunion und Res Publica); Sotsiaaldemokraatlik Erakond (Sozialdemokraten); Eestimaa Rohelised (Grüne) Weitere Informationen zum Thema finden Sie im englischsprachigen Internetangebot des Estnischen Außenministeriums unter http://www.vm.ee/eng/kat_136 . |